Elbphilharmonie wird zehn: Hamburg feiert sein Konzerthaus mit einer Jubiläumsspielzeit

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Hamburg bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor: Am 11. Januar 2027 feiert die Elbphilharmonie den zehnten Jahrestag ihrer Eröffnung. Wie die Betreiber des Konzerthauses am 1. September 2026 bei der Vorstellung der Spielzeit 2026/27 vor internationalen Journalisten mitteilten, wird das Jubiläum mit einer eigenen Jubiläumsspielzeit begangen, deren Höhepunkt ein Galakonzert am Jahrestag selbst bildet. Karten für das Geburtstagskonzert im Großen Saal kommen am 3. November 2026 über die Website des Hauses in den Verkauf.

Die Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017 hatte die Hamburger Kulturlandschaft nachhaltig verändert. Nach Angaben des Konzerthauses hat sich die Zahl der Besucher klassischer Konzerte in Hamburg seit der Eröffnung verdreifacht. Bis zum Jubiläum im Januar 2027 werden nach Prognose der Betreiber rund 7,4 Millionen Menschen etwa 6.600 Konzerte und Veranstaltungen in der Elbphilharmonie besucht haben. Die Plaza, die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe, zählte demnach bis dahin rund 29,5 Millionen Besucher. Die Auslastung des Großen Saals liege zehn Jahre nach der Eröffnung bei etwa 96 Prozent.

Jubiläumskonzert mit dem Orchester im Residence

Das zentrale Geburtstagskonzert bestreitet am 10. Januar 2027 das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert. Das Orchester ist seit der Eröffnung Orchester im Residence des Hauses und hat nach Darstellung der Elbphilharmonie dessen künstlerisches Profil maßgeblich mitgeprägt.

Das Programm des Konzerts verknüpft mehrere Bezüge zur Geschichte des Hauses: Den Auftakt bildet Unsuk Chins Orchesterwerk „Frontispiece“, das Gilbert 2019 bei seinem Antrittskonzert als Chefdirigent in der Elbphilharmonie uraufgeführt hatte und das nach Worten der Komponistin die Musikgeschichte „wie im Zeitraffer“ verdichtet. Es folgen das Vorspiel zu Wagners „Parsifal“ – eine Reminiszenz an das Eröffnungsprogramm von 2017 – sowie Beethovens Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“, die 1822 zur Eröffnung eines Theaters komponiert worden war. Den Abschluss des Abends bildet John Adams‘ „Harmonielehre“, ein Werk, das die hypnotischen Strukturen der Minimal Music mit der Ausdruckskraft der Spätromantik verbindet. Adams, der im Februar 2027 seinen 80. Geburtstag feiert, gilt als einer der einflussreichsten Komponisten der Gegenwart.

Ein weiteres Jubiläumskonzert gibt es am 13. Januar 2027 im Kleinen Saal: Das Ensemble Resonanz, das als Ensemble im Residence im Konzerthaus wirkt, präsentiert dort ein eigenes Programm; der Kartenverkauf dafür begann bereits am 17. September 2026.

Spielzeit mit internationalen Orchestern und Beethoven-Zyklen

Die Jubiläumsspielzeit 2026/27 bringt nach Angaben der Elbphilharmonie sieben führende amerikanische Orchester für insgesamt 13 Konzerte nach Hamburg, darunter die New Yorker Philharmoniker, die erstmals seit 2017 wieder in der Elbphilharmonie gastieren. Die Musikerin, Komponistin und Kuratorin Rhiannon Giddens widmet sich in ihrem „Reflektor“-Festival den globalen Wurzeln der amerikanischen Musikkultur. Zum dritten Mal findet außerdem das Festival „Elbphilharmonie Visions“ statt, das zeitgenössische Orchestermusik in den Mittelpunkt stellt und mit einer Ausstellung des Schweizer Künstlers Zimoun im Kleinen Saal eine Brücke zur Gegenwartskunst schlägt.

Im Zentrum der Spielzeit steht zudem das Beethoven-Jahr mit vollständigen Zyklen der Klaviersonaten, Klavierkonzerte und Streichquartette. Weitere Programmschwerpunkte sind Projekte zur Musik des Libanon sowie Auftritte von Künstlerinnen und Künstlern wie Angélique Kidjo, Youssou N’Dour, Sophie Hunger, Dianne Reeves und den Punch Brothers. Gefeiert werden darüber hinaus die Jubiläen von John Adams, Steve Reich und John Coltrane. Das Programm folgt nach Angaben des Hauses dem Prinzip, das die Elbphilharmonie seit ihrer Eröffnung prägt: Neben dem klassischen Repertoire stehen Jazz, außereuropäische Musiktraditionen, Pop, elektronische Musik und zeitgenössische Werke auf dem Spielplan.

Den Auftakt der Jubiläumsspielzeit bildete am 1. September 2026 ein Konzert des Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Manfred Honeck mit dem Pianisten Alexandre Kantorow. Das Konzert wurde live in der Mediathek der Elbphilharmonie übertragen und steht dort anschließend kostenfrei auf Abruf zur Verfügung.

Von der Kontroverse zum Wahrzeichen

Der Weg zum Jubiläum war nicht vorgezeichnet. Das von Herzog & de Meuron entworfene Gebäude auf einem ehemaligen Kaispeicher im Hamburger Hafen war während der Bauphase wegen stark gestiegener Kosten und mehrfacher Verzögerungen öffentlich umstritten. Architekt Pierre de Meuron, Gründungspartner von Herzog & de Meuron, erklärte anlässlich des Jubiläums, das Haus zeige, dass eine Kulturinstitution weit über die Grenzen der eigenen Stadt hinaus wirken könne. Für ihn messe sich der Erfolg jedoch nicht nur an internationaler Anerkennung, „sondern vor allem daran, dass die Elbphilharmonie von einem breiten Publikum genutzt, besucht und als unverzichtbarer Teil der Stadt angenommen wird“.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda würdigte das Konzerthaus als sichtbarsten Ausdruck der kulturellen Tradition der Stadt. Mit der Eröffnung habe Hamburg ein neues Kapitel seiner Stadtgeschichte begonnen, erklärte Brosda; die Elbphilharmonie strahle international als kultureller Leuchtturm und ziehe Besucher aus aller Welt an. Der Generalintendant und künstlerische Leiter Christoph Lieben-Seutter verwies auf die gesellschaftliche Rolle des Hauses: Nach einem Jahrzehnt internationaler Krisen zeige sich, dass solche Orte Fremde zusammenbrächten und demonstrierten, „dass Außergewöhnliches entstehen kann, wenn Menschen zusammenarbeiten und gemeinsam gestalten“. Es habe sich ausgezahlt, den Schwung der Anfangsjahre zu nutzen und ein Programm zu etablieren, das die großen Namen der Klassik mit Ungewöhnlichem und Unerwartetem verbinde – und so neue Publikumsschichten für die Musik gewinne.

Begleitend zum Jubiläum erscheint am 2. September 2026 beim Verlag Hoffmann und Campe der Bildband „Elbphilharmonie Live“. Das 208 Seiten starke Buch bietet nach Verlagsangaben mit zahlreichen bislang unveröffentlichten Fotoessays einen Blick hinter die Kulissen des Konzertbetriebs, in dem pro Jahr rund 750 Konzerte mit Orchestern und Künstlern aus aller Welt zusammenkommen.

Quellen

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