BBC Philharmonic ernennt Joshua Weilerstein zum nächsten Chefdirigenten

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Das BBC Philharmonic Orchestra hat Joshua Weilerstein zu seinem nächsten Chefdirigenten ernannt. Wie das Orchester in Manchester mitteilte, tritt der US-amerikanische Dirigent das Amt im September 2028 an und erhält zunächst einen Vertrag über fünf Jahre. Er folgt auf den Finnen John Storgårds, der seine Amtszeit zum Ende der Spielzeit 2027/28 beendet und danach als Conductor Laureate mit dem Orchester verbunden bleibt. Die Entscheidung gab das Orchester am Mittwoch bekannt.

Die Ernennung knüpft an eine knapp zehnjährige Zusammenarbeit an. Weilerstein dirigierte das BBC Philharmonic erstmals vor fast zehn Jahren und war zuletzt mehrfach in Manchester und bei den BBC Proms zu Gast. Bei den Proms 2025 leitete er ein Programm mit dem Klarinettisten Martin Fröst, das Klarinettenkonzerte von Aaron Copland und Artie Shaw mit der Zweiten Sinfonie von Elsa Barraine und den Symphonischen Tänzen von Sergej Rachmaninow verband. Im April 2026 standen in Manchester Duke Ellingtons „Harlem“, Nikolai Kapustins Viertes Klavierkonzert mit Frank Dupree als Solist und Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ auf dem Programm. Die Kritik würdigte diese Auftritte als Beleg für Weilersteins fantasievollen Umgang mit dem Repertoire und für die neuen Perspektiven, die er auf etablierte Werke eröffnet.

Joshua Weilerstein sagte laut Mitteilung, er fühle sich geehrt und freue sich auf die Aufgabe: „Seit ich das BBC Philharmonic Orchestra vor fast zehn Jahren zum ersten Mal dirigiert habe, fühle ich eine starke musikalische Verbindung zu diesem wunderbaren Orchester.“ Einige der gemeinsamen Aufführungen zähle er zu den Höhepunkten seines Dirigierens. Adam Szabo, Direktor des Orchesters, nannte die Berufung eine „Traumbesetzung“: Weilerstein sei ein charismatischer und einfühlsamer musikalischer Leiter, der vom Orchester geschätzt werde und sich für Werke einsetze, die von der Geschichte übersehen wurden. Zugleich eröffne er einen frischen Blick auf die großen Werke des Orchesterrepertoires.

Ein Vermittler in der Tradition Bernsteins

Weilerstein, 1987 geboren, ist derzeit Musikdirektor des Orchestre National de Lille und Chefdirigent des Aalborg Symphony Orchestra, dessen Leitung er zum Ende der Spielzeit 2027/28 abgibt. Als Gastdirigent arbeitet er nach eigenen Angaben regelmäßig mit Klangkörpern wie dem Chicago Symphony Orchestra, den New Yorker Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und der Dresdner Staatskapelle. In Lille steht er derzeit in seiner dritten Spielzeit an der Spitze des Orchestre National, in Aalborg in seiner vierten.

Neben der Arbeit am Pult tritt Weilerstein als Moderator und Podcaster in Erscheinung. Seine Sendung „Sticky Notes“ zur klassischen Musik wurde nach Angaben des Orchesters in 185 Ländern mehr als neun Millionen Mal heruntergeladen. Diese Vermittlungsarbeit steht in der Tradition von Leonard Bernstein und deckt sich mit dem Selbstverständnis des BBC Philharmonic, klassische Musik einem breiten Publikum auf und abseits der Bühne zugänglich zu machen – das Orchester ist eng an die BBC angebunden und bei den Proms sowie im Rundfunk präsent. Auch für etablierte Meisterwerke neben Werken unterrepräsentierter Komponistinnen und Komponisten wirbt Weilerstein seit Jahren.

Nachfolge von John Storgårds

John Storgårds, dem Weilerstein nachfolgt, war seit 2022 Chefdirigent in Manchester, nachdem er bereits ab 2012 als Erster Gastdirigent mit dem Orchester gearbeitet hatte. Bis zum Ende seiner Amtszeit im Sommer 2028 werden Musiker und Dirigent nach Angaben des Orchesters mehr als 125 Aufführungen gemeinsam bestritten haben. Zu den Höhepunkten der Zusammenarbeit zählen die Uraufführung von Mieczysław Weinbergs „Dawn“ 2019, Aufführungen von Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ und die Uraufführung von Tom Coults „Monologues for the Curious“ bei den Proms 2025. 2023 war das Orchester für den Gramophone-Preis als Orchester des Jahres nominiert; Einspielungen der Violinkonzerte von Elgar und Adès mit Christian Tetzlaff sowie Werke von Antheil und Schostakowitsch wurden von der Fachpresse ausgezeichnet. Storgårds’ Vorliebe für nordisches Repertoire verband er dabei mit großen sinfonischen Zyklen und zeitgenössischen Stimmen. International gastierte das Orchester unter seiner Leitung unter anderem in Paris und beim Beijing Music Festival 2025.

Das 1922 in Manchester gegründete Orchester gehört zu den fünf BBC-eigenen Klangkörpern und war unter anderem mit Yan Pascal Tortelier, Gianandrea Noseda und Juanjo Mena an seiner Spitze international profiliert worden. Seit den Anfängen als Rundfunkorchester prägten aufeinanderfolgende Dirigentengenerationen seine musikalische Identität, von Charles Groves über Edward Downes bis in die Gegenwart. Mit Weilerstein setzt das Haus laut Mitteilung auf Kontinuität: Der designierte Chefdirigent kenne das Orchester, sein Publikum in Manchester und Salford und die Präsenz bei der BBC bereits aus langjähriger Zusammenarbeit. Bis zum Amtsantritt 2028 wird er das Orchester weiterhin als Gastdirigent leiten. Die Ernennung eines in der Vermittlung erfahrenen Dirigenten folgt damit auch der Linie des Rundfunkorchesters, das seine Konzerte seit jeher einem Publikum jenseits des Konzertsaals zugänglich macht.

Die Personalie fällt in eine Phase reger Wechsel an der Spitze britischer Orchester: Mehrere Klangkörper des Landes haben in den vergangenen Monaten ihre künstlerische Leitung neu geordnet oder für die kommenden Spielzeiten angekündigt. Beobachter werten die frühe Festlegung in Manchester – mehr als zwei Jahre vor Amtsantritt – als Zeichen dafür, dass sich das BBC Philharmonic seine Wunschbesetzung langfristig sichern wollte. Weilerstein gilt seinerseits als einer der gefragtesten Dirigenten seiner Generation; seine Terminplanung für die kommenden Jahre umfasst Gastengagements in Europa und Nordamerika.

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