Carl Piepho in Schweinfurt: Museum Georg Schäfer rückt vergessenen Impressionisten ins Licht

0
(0)

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt widmet dem weitgehend vergessenen Münchner Maler Carl Piepho (1869–1920) gleich zwei Präsentationen. Bis zum 17. Januar 2027 sind in der Ständigen Sammlung 23 bislang unbekannte Werke aus seinem Nachlass zu sehen; seit dem 11. Oktober 2026 ergänzt die Ausstellung „Renoir. Bonnard. Matisse. Carl Piepho und der Impressionismus nach 1900“ den Blick auf den Künstler mit insgesamt 90 Gemälden.

Wie das Museum mitteilt, handelt es sich bei der Sonderpräsentation „Carl Piepho – Impressionist. Ein Sommergast in der Ständigen Sammlung“ um 21 Gemälde und zwei Zeichnungen aus dem umfangreichen Künstlernachlass des Malers. Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten von Lovis Corinth, Max Slevogt, Leo Putz und Albert Weisgerber aus dem eigenen Bestand. Der Eintritt kostet nach Angaben der Stadt Schweinfurt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Die Ausstellung auf Ebene 2 läuft bis zum 10. Februar 2027 und wurde vom Kunsthistoriker Wolf Eiermann kuratiert.

Ein gefeierter Maler der Münchner Sezession

Carl Piepho wurde 1869 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Stuttgart auf. Nach Studienstationen an den Akademien in Stuttgart (1888–1890) und Karlsruhe (1890–1894) sowie einem Aufenthalt in Paris (1894–1895) ließ er sich 1895 in München nieder und trat der Münchner Sezession bei. Bereits 1897 erregte er auf der 2. Internationalen Gemäldeausstellung in Venedig mit dem Werk „Abendstille“ Aufmerksamkeit; 1903 erhielt er in Wien eine Goldmedaille. Eine spanische Zeitung beschrieb seine Malerei 1899 als „Harmonie in der Beziehung von Mensch und Natur“, zitiert das kunsthistorische Portal ARTinWORDS.

Piepho war nach den Recherchen von ARTinWORDS gemeinsam mit Wassily Kandinsky in der Münchner Gruppe „Phalanx“ aktiv, unternahm Freilichtstudien in Dachau und schloss sich dort der Künstlerkolonie an. Er nahm regelmäßig an Ausstellungen teil und wurde 1918 als einer der Repräsentanten der Münchner Impressionistenschule bezeichnet. 1919 erkrankte er und starb am 23. Mai 1920 in einer Münchner Nervenheilanstalt.

Trotz dieser Anerkennung zu Lebzeiten geriet sein Werk nach dem frühen Tod weitgehend in Vergessenheit. Dass sein Name heute nur Fachkreisen geläufig ist, begründet das Museum Georg Schäfer mit der bislang fehlenden Aufarbeitung seines Œuvres. Die aktuellen Präsentationen verstehen sich als erster Schritt, den Maler wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und seine Stellung innerhalb der Sezessionsbewegungen sichtbar zu machen.

Zwei Präsentationen, ein Künstler

Die Sonderpräsentation läuft seit dem 27. Juni 2026 und zeigt nach Angaben der Stadt Schweinfurt 23 bislang unbekannte Werke: 21 Gemälde und zwei Zeichnungen. Die Werke stammen aus dem Nachlass des Künstlers und werden erstmals in diesem Umfang öffentlich gezeigt. Das Museum begleitet die Präsentation mit öffentlichen Kurzführungen, etwa mit der Kunsthistorikerin Sandra Sembach.

Seit dem 11. Oktober 2026 ergänzt die Ausstellung „Renoir. Bonnard. Matisse. Carl Piepho und der Impressionismus nach 1900“ die Präsentation in der Ständigen Sammlung. Sie vereint laut ARTinWORDS über 40 Gemälde aus Piephos Nachlass mit 50 Gemälden deutscher und französischer Maler und Malerinnen. Dazu zählen Werke von Max Slevogt und Max Liebermann, die dem Impressionismus folgten, sowie Arbeiten der jüngeren französischen Avantgarde um Henri Matisse und Pierre Bonnard. Einige Zeichnungen von Carl Piepho ergänzen die Auswahl.

Piephos Werk steht nach Einschätzung des Museums ganz im Zeichen des Impressionismus, greift zugleich Einflüsse der deutschen Sezessionsbewegungen und der französischen Kunst auf. Seine Stimmungslandschaften, figurativen Werke und Interieurs zeigen laut ARTinWORDS einen atmosphärischen, teils spätromantischen Blick sowie die Kenntnis aktueller Werke seiner in Paris arbeitenden Zeitgenossen. Die ruhigen, objektbezogenen Interieurs, die zwischen Objekt-Stillleben und privater Wohnatmosphäre stehen, zeugen demnach von seiner Auseinandersetzung mit Matisse und Bonnard. Besonders die Darstellungen von Menschen und Landschaften zeichnen sich durch einen Blick für Licht, Atmosphäre und eine eigene, teils melancholische Stimmung aus.

ARTinWORDS weist zudem auf eine Besonderheit der figurativen Werke hin: Wie beim Tiroler Maler Leo Putz betont Piepho neben der Stimmungsdarstellung seiner überwiegend weiblichen Modelle auch deren Eleganz und Erotik, eröffne dem Betrachter jedoch eine andere, intimere Sicht auf die Zweierbeziehung zwischen Maler und Modell.

Wiederentdeckung im Kontext der Sammlung

Das Museum Georg Schäfer beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen deutscher Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die reichen Bestände zur deutschen Kunst bilden nach Angaben des Hauses den Ansatz für die Impulsausstellung, die Piephos Werke in eine Reihe mit Arbeiten seiner Zeitgenossen stellt. Dank zahlreicher Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen sei es möglich, den früh verstorbenen Künstler im Umfeld bedeutender Maler seiner Zeit zu erleben.

Die Ausstellung versteht sich ausdrücklich nicht als vollständige Aufarbeitung des Œuvres. Sie bietet jedoch die Gelegenheit, einen heute kaum bekannten Künstler neu zu entdecken und seine Werke erstmals im größeren Zusammenhang zu sehen. Beide Präsentationen laufen parallel: Die Sonderpräsentation in der Ständigen Sammlung bis 17. Januar 2027, die Ausstellung auf Ebene 2 bis 10. Februar 2027. Das Museum bietet begleitend öffentliche Führungen an, darunter Kuratorenführungen mit Wolf Eiermann sowie Kurzführungen durch die Sonderpräsentation, die über den Veranstaltungskalender des Museums auf dessen Website gebucht werden können.

Quellen

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?