Zurück in der Beethovenhalle: Beethovenfest Bonn verzeichnet größten Publikumserfolg seit über zehn Jahren

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Das Beethovenfest Bonn hat seine diesjährige Ausgabe mit rund 35.000 Besucherinnen und Besuchern beendet — nach Angaben der Veranstalter die höchste Gästezahl seit mehr als zehn Jahren. Den Grund sehen die Macher vor allem in der Rückkehr des Festivals in die neun Jahre lang sanierte Beethovenhalle, die Ende 2025 wiedereröffnet worden war. Vom 3. September bis zum 3. Oktober 2026 fanden mehr als hundert Konzerte und Veranstaltungen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis statt.

Den feierlichen Abschluss am Samstagabend, den 3. Oktober, bildete in der Beethovenhalle das Brahms-Requiem mit dem BBC Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Anja Bihlmaier, gemeinsam mit der Audi Jugendchorakademie. Die Wahl des Abschlusskonzerts in der wiedereröffneten Hauptspielstätte stand ganz im Zeichen des diesjährigen Festivalmottos „Nach Hause/Daheim".

„Wir meinen, dass offene Türen, Gastfreundschaft und Begegnungen über Kulturen und Generationen hinweg ein Zuhause und eine Gesellschaft erst warm und lebendig machen", hatte Intendant Steven Walter das Motto bei der Programmvorstellung im Mai erläutert. Das Festival verstand sich demnach nicht nur als Konzertreihe, sondern als Gastgeber für die Stadt — mit Programmangeboten, die bewusst über den klassischen Konzertbetrieb hinausreichten.

Die Beethovenhalle als Herzstück

Die Beethovenhalle war nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt Bonn. Sie trägt den Namen des 1770 in Bonn geborenen Komponisten Ludwig van Beethoven, der in der Stadt aufwuchs und dort seine prägenden Jahre verbrachte. Die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses dauerte mit neun Jahren deutlich länger als ursprünglich geplant; die Wiedereröffnung wurde Ende 2025 gefeiert. In der Zwischenzeit war das Festival auf Ausweichspielstätten in der Stadt ausgewichen, darunter die Bonner Oper.

Für das Festival bedeutete die Rückkehr nach Angaben von Intendant Steven Walter vor allem eines: Die im Vergleich zu den Ausweichspielstätten der vergangenen Jahre deutlich höhere Kapazität ermöglichte es wieder, große internationale Orchester und Solisten an den Rhein zu holen. Zugleich blieben zahlreiche Spielstätten in den Bonner Stadtteilen und im Rhein-Sieg-Kreis Teil des Festivals — insgesamt mehr als 25 Orte waren im Programm.

Internationale Orchester und Residenzen

Das Programm der vier Festivalwochen umfasste rund 80 Konzertveranstaltungen mit knapp 40.000 verfügbaren Tickets. Die Eröffnung am 4. September gestaltete das London Symphony Orchestra mit Werken von Beethoven und Bruckner; am Folgetag konzertierte das Orchester mit der Geigerin Vilde Frang. Es folgten unter anderem das Tonhalle-Orchester Zürich unter Paavo Järvi mit der Violinistin Bomsori Kim sowie die Dresdner Philharmonie mit der Residenzkünstlerin Lisa Batiashvili, die in zwei Konzerten im Großen Saal der Beethovenhalle auftrat.

Zwei Zyklen rückten Beethovens Werk in den Mittelpunkt: Kit Armstrong und Jan Caeyers begannen mit Le Concert Olympique die ersten Etappen ihres neunteiligen Projekts „Beethoven27", und das Quatuor Ébène präsentierte in einer Residenz die erste Hälfte seines Beethoven-Streichquartett-Zyklus. Beide Projekte sind ausdrücklich auf das Jubiläumsjahr 2027 ausgerichtet.

Ein Länderschwerpunkt galt Georgien. Das Campus-Projekt am 23. September brachte Mitglieder des Bundesjugendorchesters und des Bundesjugendchors mit Musikerinnen und Musikern aus Tbilisi zusammen; Solist des Abends war der junge georgische Pianist Tsotne Zedginidze, der von Lisa Batiashvili entdeckt worden war. Eine Diskussionsrunde unter dem Titel „Demokratie unter Druck? Die Lage für Kultur- und Medienschaffende in Georgien", moderiert von Jochen Rosenkranz von der Deutschen Welle, begleitete den Schwerpunkt.

Nach Angaben der Veranstalter hatte bereits zur Halbzeit des Festivals, am 18. September, die Zwischenbilanz mehr als 20.000 Besucherinnen und Besucher bei rund 50 Veranstaltungen verzeichnet. Aufführungen wurden in Kooperation mit der Deutschen Welle auch als Livestreams im digitalen Magazin des Festivals übertragen, darunter das Campus-Projekt Georgien und eine Lesung mit Annette Frier und Musik des Pianisten Aeham Ahmad in Kooperation mit der UNO-Flüchtlingshilfe.

Mehr als Konzerte: Salon, Diskurs und Vermittlung

Als Herzstück des Miteinanders in der sanierten Hauptspielstätte etablierte sich nach Darstellung der Veranstalter der Festival Salon im Südfoyer der Beethovenhalle. Der von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Raum war während der gesamten Spielzeit kostenlos und ohne Konzertticket zugänglich und sollte, so ein Sprecher, „als offenes Wohnzimmer für die Stadt Raum für Begegnung" schaffen. Das Angebot reichte von „Meet the Artist"-Gesprächen mit Festivalkünstlern über eine „Open Stage" für lokale Talente bis zu Mitsing-Aktionen der Community Music sowie Workshops und Mitmach-Formaten für Erwachsene, Familien und Kinder.

Das Diskursprogramm griff das Motto „Nach Hause/Daheim" mit Gästen aus Wissenschaft, Kunst und Praxis auf. Zur Konferenz „Kulturveranstaltungen als politische Orte?", die das vierjährige, ebenfalls von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Projekt „tuned — Netzwerk für zeitgenössische Klassik" abschloss, sprach unter anderem die belarussische Musikerin Maria Kalesnikava mit einer Keynote unter dem Titel „Kultur ist kein Luxus, sie ist eine Form des Widerstands". An Podiumsgesprächen beteiligten sich der Leiterin der Kulturstiftung des Bundes, Katarzyna Wielga-Skolimowska, der Kölner Schauspielintendant Kay Voges und der frühere Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio. Eine interaktive Installation der UNO-Flüchtlingshilfe lud im Salon zur Auseinandersetzung mit persönlichen Geschichten über Flucht und Ankommen ein.

Auch junge Nachwuchskünstlerinnen und -künstler standen im Programm: Die Reihe „Beethovenfest Talents" und das Fellowship-Programm boten Freiraum für innovative Formate von der Performance bis zur KI-gestützten Komposition.

Das nächste Beethovenfest Bonn steht bereits unter Vorzeichen des kommenden Jubiläumsjahres: 2027 jährt sich Beethovens Geburtstag, und mehrere der in diesem Jahr begonnenen Zyklen — etwa der Streichquartett-Zyklus des Quatuor Ébène — sind ausdrücklich als Vorbereitung auf das Jubiläum angelegt. Mit der sanierten Beethovenhalle als fester Hauptspielstätte und dem in diesem Jahr etablierten Festival Salon dürfte das Format „Nach Hause/Daheim" die Festivalplanung der kommenden Jahre prägen. Der diesjährige Zuspruch, so die Veranstalter, zeige, dass das Publikum die Rückkehr des Festivals an seinen traditionsreichen Ort angenommen habe.

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